Seit Juli 2006 stellen wir auf dieser Seite Tiere aus unserem Tierpark vor, die uns in irgendeiner Weise interessant erscheinen. Es können Tiere sein, bei denen in der letzten Zeit irgend etwas bemerkenswertes passiert ist, die neu zu uns gekommen sind oder einfach nur interessante und bemerkenswerte Persönlichkeiten.
Die vergangenen Tiere des Monats finden Sie in unserem Archiv.
Auf dem Boden der Tropenhalle fallen einem von Zeit zu Zeit ein paar leuchtende Farbkleckse ins Auge. Beim näheren Hinschauen entpuppen sie sich als etwas pummelige, auf dem Boden sitzende Vögel, die den Besucher genau im Auge behalten. Nur, wenn man ihnen zu nahe kommt, laufen sie einige Schritte in eine bessere Deckung oder fliegen sogar ein kleines Stückchen, um dann zu Fuß einen besser geschützten Platz aufzusuchen.
Diese scheinbar so unerschrockenen Vögel sind unsere Hopftauben. Sie kommen in der Natur ausschließlich auf der indonesischen Insel Sulawesi (früher Celebes) vor, weshalb sie auch Celebes- oder Sulawesi-Gelbbrust-Erdttauben genannt werden. Und die Erde verlassen diese Tauben tatsächlich nur sehr ungern. Den ganzen Tag sind sie unermüdlich zu Fuß unterwegs, um nach Sämereien und Früchten, aber auch nach kleinen Insekten oder Würmern zu suchen, die mit den Füßen freigescharrt und dann verspeist werden. Wenn sich ein Feind nähert, bleiben die Tauben erst einmal unbeweglich am Platz sitzen. Nur, wenn es gar nicht mehr geht, flüchten sie, entweder zu Fuß oder tatsächlich auch einmal ein kleines Stück in der Luft. Lediglich die Nacht verbringen sie auf etwas höher liegenden Ästen, um vor bodenlebenden Feinden geschützt zu sein. So ist die Hopftaube nicht nur wegen ihrer lebhaften Farben ein dankbares Fotomotiv, sondern auch, weil sie meist nicht sofort panisch die Flucht ergreift, sobald sie sich beobachtet fühlt.
Unser Pärchen Hopftauben fühlt sich in der Tropenhalle des Tierparks anscheinend recht zuhause, denn in den letzten beiden Jahren haben sie hier regelmäßig für Nachwuchs gesorgt. Wie bei den Tauben üblich, unterscheiden sich die Geschlechter kaum. Die Männchen sind zwar meist etwas leuchtender gezeichnet, ansonsten ist aber kein Unterschied zu erkennen. Das Männchen balzt vor der Paarung nach Taubenart intensiv um seine Partnerin, er verfolgt das Weibchen, schnäbelt, präsentiert ihr Futter und fordert mit einem rauen Knattern zur Paarung auf. Dieses vor jeder Brut wiederholte, intensive Paarungsritual der über Jahre hinweg fest verpaarten Taubenvögel hat übrigens auch dazu geführt, dass die Tauben vielerorts ein Symbol der Liebe darstellten - man denke nur an die sprichwörtlichen "Turteltauben". Das Nest wird dann zur Sicherheit wieder etwas über dem Boden in der Vegetation angelegt. Zwar legt das Weibchen pro Gelege nur ein einziges Ei, es kann aber durchaus mehrmals im Jahr gebrütet werden. Zur Zeit bevölkern neben den Eltern insgesamt 3 Jungtauben von 2010 und 2011 den Boden der Tropenhalle.
Die erste deutsche Nachzucht der Hopftaube liegt noch keine 30 Jahre zurück, mittlerweile ist diese Taube aber im Zoo und bei Liebhabern nicht mehr ganz so selten. Dabei stammen die meisten Vögel mittlerweile erfreulicherweise aus europäischen Nachzuchten. In ihrer Heimat ist sie zwar immer nur in kleinen Zahlen zu finden, ist aber wohl noch nicht akut gefährdet, anders als ihre engen Verwandten, die philippinischen Dolchstichtauben. Diesen macht vor allem die intensive Rodung der Regenwälder und die Einschleppung europäischer Bodenraubtiere zu schaffen. Dieses Schicksal scheinen die Hopftauben aber (noch?) nicht zu teilen, ihr Bestand auf der Insel Sulawesi gilt als nicht bedroht.